|
Nachdem ich in Fachzeitschriften ab und zu etwas über Otterhounds gelesen hatte, begann ich mich für diese Rasse zu interessieren. Mein Rocky war damals schon über 9 Jahre alt und obwohl man immer hofft, daß der beste Freund uralt wird, denkt man doch darüber nach, welcher Hund später einmal in Betracht kommt. Nun sind wir keine Rassehundfanatiker-im Gegenteil, unsere “Bastarde” sind der lebende Beweis dafür. Aber irgendwie faszinierte mich, was ich da so alles über die Otterhounds erfuhr. Die ganzen positiven Eigenschaften eines Meutehundes, gepaart mit einem, an einen großen Hirtenhund Die ersten Otterhounds erinnernden Aussehens, das hörte sich schon toll an! Zotteliges, wasserabweisendes Fell, das selbst übelsten britischen Klimaverhältnissen trotzt, kam meinen Vorstellungen eines mit mir (wie ich das von Rocky gewöhnt bin) das ganze Jahr die Natur in meiner Heimat erkundenden Kumpels auch sehr entgegen. Ich hatte zu oft frierende und winselnde kurzhaarige Hundegeschöpfe erlebt, die bei Minusgraden das Haus nicht verlassen wollen, als daß so ein “Nackthund ”irgendwie in Frage kam. Nun ist Papier geduldig und ich gebe mehr auf meine eigenen Erfahrungen oder die Gespräche mit Menschen, die solche gemacht haben. Leider trifft man so einen Otterhound aber nicht mal zufällig an der nächsten Ecke,aber ich erfuhr,daß die Besitzer dieser Hunde sich einmal im Jahr in Norddeutschland in Hankesbüttel in der Nähe von Celle/Gifhorn,treffen.Also Rocky geschnappt,Beiwagen gepackt und zum nächsten Treffen gefahren.Natürlich wollte ich keinen dritten Hund, da man nie mehr Hunde als Hände haben sollte. Ich dachte mir aber, daß man ,falls die Hunde wirklich so toll sind, schon mal Kontakte zu Züchtern aufnehmen kann! Das erste, was ich auf dem Treffen zu sehen bekam, waren ca 20 Otterhounds auf einer großen Streuobstwiese. Deren Frauchen und Herrchen sahen gerade einen Filmvortrag über eine der letzten Otterjagden in England. Die Hunde kannten sich nur von den jährlichen Treffen. Es waren Hündinnen, Rüden, Junghunde und Welpen. Ich beobachtete die Hunde eine ganze Weile und bemerkte, daß keinerlei ernstunehmende Agression festzustellen war. Ab und zu zeigte einer der erfahrenen Rüden einem Jungspund mal wie die Rangordnung aussieht. Doch ging das sehr unspektakulär vonstatten.Alles versammelt auf der Streuobstwiese Die Hunde sahen auch genauso aus, wie ich es mir vorgestellt hatte. Nachdem ich von mehreren Besitzern die Vor und Nachteile der Otterhounds erklärt bekommen hatte, stand für mich fest-”das wird mein nächster Hund.” Nach einem Telefonat mit meiner Regierungschefin, die mir Hausverbot androhte, falls ich einen Hund kaufen sollte, begab ich mich zur“Welpenvermittlung,” um mich nach Züchtern zu erkundigen. Wie mir alle auf dem Treffen erklärten muß man mit Wartezeiten wie bei Daimler in den 60ern rechnen-also keine Gefahr eines Hauskraches! Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt! Da waren doch tatsächlich ein nettes Dänisches Paar mit einer süßen, kleinen Tochter und zwei “übriggebliebenen Welpen” auf dem Treffen. Und wie das Schicksal so spielt, sollten diese Racker auch noch veräußert werden. Im Gespräch mit den Züchtern und den Leuten der Otterhound AG, die das Treffen organisierten, erfuhr ich, daß der Wurf aus 10 Rüden und nur 2 Hündinnen bestand und momentan vorrangig weibliche Wesen gesucht werden. Scheinbar wollen viele Leute züchten!
Da gab es kein langes Zögern! Ein Anruf bei meiner Frau endete leider, bedingt durch einen leeren Accu, bevor sie mir den Kauf verbieten konnte(ich möchte mich hier noch einmal ausdrücklich bei der Fa.Nokia für dieses optimale Powermanagement bedanken)... Nachdem ich mit dem letzten verknüllten EC bezahlt hatte, packte ich den Paule getauften Welpen zu dem” hocherfreuten” Rocky in den Beiwagen. Wie schon damals bei Anton, fand er diesen Eindringling in sein Boot absolut eklig.Paules erste Beiwagenfahrt!!Natürlich legte sich die Erregung meiner Frau relativ schnell, denn das Paulchen zeigte sich von Anfang an als absoluter Clown. Mein alter Rochy wird immer mein bester Freund bleiben, soviel Character, gepaart mit fuchsartiger Schläue und coolem Auftritt ist schon einmalig -aber soviel, wie ich über Paule in den letzten 15 Monaten lachen mußte, habe ich noch nie über einen Hund gelacht. Seine ruhige, gelassene Art, die tollpatschigen Ausrutscher, der wackelnde Passgang, alles einfach lustig. Manche Leute behaupten sogar er hätte einen leicht dümmlichen Gesichtsausdruck.Wie die nur darauf kommen... Trotzdem täuschen die Aüßerlichkeiten. Er ist sehr lerneifrig,und behält einmal Erlerntes auch sehr gut, nur entscheidet er, wann und wie genau er gehorchen will. Ich las einmal in einer Hundezeitschrift die Beschreibung eines Bloodhoundes, in der das Frauchen dieses Exemplares sagte: ”Mein Hund hat einen verzögerten Gehorsam” Ich glaube, dies kommt meinem Paule sehr nahe! Seine größte Stärke und Naturbegabung -seine absolute Supernase -ist gleichzeitig im normalen Zusammenleben mit ihm seine größte Schwäche Wanderungen im Wald sind eigentlich nur “verbunden durch das Band der Freundschaft”, sprich der 8m Flexi oder Feldleine möglich. Will man ihn frei laufen lassen, muß er, da er jeder Spur folgen will, permanent beobachtet werden, Er läßt sich zwar beim Aufnehmnen der Spur gerade noch abrufen, ist er aber einmal unterwegs, hilft kein Rufen, Schreien, Pfeifen, er folgt dem inneren Befehl, so wie es die “Designer” seiner Rasse im Sinn hatten. Er folgt der Spur ohne Hektik und Stress, er arbeitet sie sehr sauber und genau aus. Nur hilft es mir recht wenig, wenn er langsam statt hektisch im Unterholz einer Dickung verschwindet.Wer die sehr wildreichen Nordhessischen/Thüringischen Wälder meiner Heimat kennt, weiß daß dort alle paar Meter ein Wildwechsel die Wanderwege kreutzt. Um Paule nun etwas besser auszulasten, spielte ich im Sommer 2001 mit ihm auf dem Gelände unseres Hundevereins- Siehe auf. www.igh-bsa.de Dabei kamen wir den Agilitygeräten zu nahe, was bewirkte, daß Paule seiner britischen Abstammung folgend, von diesen magisch angezogen wurde. Man kennt das ja,Artus-Sage, Merlin,Catweazle und so... Ich stellte jedenfalls fest, daß der Otter einen Riesenspaß an der Hüpferei entwickelte. Mir blieb also nichts anderes übrig, als mich auch mit der Materie zu beschäftigen. Nachdem ich die typisch britischen Wirrnisse des Regelwerkes (man denke nur an die Zählweise beim Tennis-auch so eine englische Erfindung) einigermaßen verinnerlicht hatte, betreiben Paule und ich nun regelmäßig Agility, mit für mich überraschendemErfolg. Natürlich wollen und können wir keine Meisterehren erlangen. Paulchen ist zu groß und zu schwer und ich zu unbeweglich für diesen Sport, dessen namentliche Herleitung vom lateinischen agil-beweglich stammt. Außerdem stellt es mich vor die schier unlösbare Aufgabe mir die Laufstrecke eines aus über 20 Hindernissen bestehenden Parcours zu merken. Ich muß meine Lebensgefährtin Heike immer mehr bewundern, mit welcher Souveränität sie auch schwierigste A3 Parcoure zielsicher durchläuft.
|